So wirst Du gesehen und gehört
Egal wie sehr wir uns darum bemühen – manchmal werden wir nicht gesehen und nicht verstanden. Passiert Dir das regelmässig in Situationen, die für Dich besonders herausfordernd sind? Der Grund dafür ist unser menschliches Nervensystem und dass sich unsere Energie und unsere Ausstrahlung unter Stress verändert.
Erfahre, wie Du auch in herausfordernden Situationen energetisch Deinen Raum einnimmst und wahrgenommen wirst, ohne dafür zu kämpfen.
Warum unser Nervensystem immer mitredet
Das Nervensystem sichert unser Überleben. Dieser Teil scannt unsere Umgebung ständig auf mögliche Gefahren und reagiert entsprechend. Es reguliert unseren Körper automatisch und entscheidet, wie sehr wir uns gerade entspannen dürfen. Es ist der älteste und überlebens-wichtigste Teil in unserem Hirnzentrum und übersteuert bei Gefahr alles andere.
Sicherheit ist das oberste Gebot.
Im Verlauf unseres Lebens sammeln wir Erfahrungen, die sich in unserem Unterbewusstsein abspeichern. Erinnert eine Situation an etwas, das wir früher (z.B. als ganz kleines Kind) als bedrohlich wahrgenommen haben, übernimmt unser Überlebens-Instinkt und schüttet entsprechende Hormone aus. Das geschieht blitzschnell und automatisch.
Dass die Situation objektiv betrachtet in der Regel völlig harmlos ist, spielt dabei keine Rolle.
Unser Nervensystem ist aktiviert und wir reagieren und handeln aus alten, verletzten Anteilen heraus. Aus diesem Automatismus heraus reproduzieren wir alte Erfahrungen wieder und wieder, obwohl wir mittlerweile ganz andere Möglichkeiten und Fähigkeiten hätten als damals.
Sobald wir verstehen, was in unserem Körper abläuft, können wir unsere Reaktion Schritt für Schritt anpassen.
Das Nervensystem kurz erklärt
Es gibt einen Bereich, in welchem unser Verstand wunderbar funktioniert und wir bewusst Einfluss nehmen können auf unsere Gendanken, Handlungen etc. Dies ist das sogenannte „Fenster der Toleranz“. Je näher wir an den Rand dieses Bereiches kommen, umso alarmierter wird unser Nervensystem und bereitet uns körperlich auf die mögliche Gefahr vor.
Der grüne Bereich
Im grünen Bereich fühlen wir uns rundum wohl und sicher.
Der orange Bereich
Hier sind wir leicht gestresst. Doch wir können uns noch wahrnehmen und bewusste Entscheidungen treffen. In diesem Bereich funktioniert unser logisches Denken noch und wir können die tatsächliche Gefahr «vernünftig» einschätzen. Die aktivierten Hormone (Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol) können uns beflügeln, wir sind fokussiert und voller Energie. Hier sind wir gesund herausgefordert und wir können über uns hinauswachsen. Und wir können unser Nervensystem bewusst regulieren und verhindern, dass wir vollkommen aus dem Fenster der Toleranz herausfallen.
Der rote Bereich
Ausserhalb des Toleranzfensters bewegen wir uns im roten Bereich. Wir fallen entweder in eine Übererregung oder eine Untererregung.
Bei einer Übererregung werden wir laut, aggressiv oder ziehen uns zurück. Es sind die Reaktionen des Kampfes («Fight») oder der Flucht («Flight»), welche in der Eiszeit absolut sinnvoll waren und uns z.B. vor dem Säbelzahntiger gerettet haben.
Auch bei einer Untererregung unterscheidet man mittlerweile zwei verschiedene Überlebensmechanismen. In der Erstarrung («Freeze») fühlen wir uns gelähmt, wir können nicht richtig sprechen und nehmen unsere Gefühle kaum noch wahr.
Oder wir tun alles, um das Gegenüber «zu befrieden». Wir geben uns und unsere eigenen Bedürfnisse vollkommen auf. «Fawn» (zu Deutsch Bambi-Reflex oder Beschwichtigungsverhalten) ist die Überlebensstrategie des «Wenn ich nur lieb genug bin, dann wird mir nichts passieren».
Was energetisch passiert
Je stärker Dein Nervensystem aktiviert ist, umso mehr ziehst Du Dich innerlich zurück. Energetisch hat das eine spürbare Wirkung. In einer Untererregung verlässt Du vollkommen das, was Dir von Deinem ersten Atemzug an zusteht: Dein Platz im Zentrum Deines Lebens. Ergreifst Du die Flucht, machst Du das nicht nur energetisch, sondern auch physisch.
Wenn Du energetisch Deinen Platz verlässt, entsteht dort eine Leere. Innerlich ziehst Du Dich in einen Hohlraum zurück. Das Ergebnis: Du wirst nicht gesehen. Unter Umständen nehmen sofort andere den Raum ein mit ihrer Energie, ihren Bedürfnissen etc.
Im Kampf-Modus hast Du zwar das Gefühl, dass Du Deinen Raum verteidigst. Die Energie, die Du aussendest, verhindert jedoch jegliche Verbindung. Du baust einen hoch aufgeladenen Schutzwall um Dich auf mit der Botschaft: „KOMM MIR NICHT ZU NAHE!“ und stösst alle von Dir weg.
Die gegenseitige Bereitschaft in Beziehung zu treten, ist die Grundvoraussetzung dafür, um wahrgenommen zu werden. Die angelernten Reaktionen verschliessen manchmal diese Möglichkeit.
Der erste Schritt: Wahrnehmen und Verstehen
Sobald Du erkennst, wo und wann Dein Nervensystem aktiviert ist, kannst Du bewusst Einfluss nehmen.
Wir müssen NICHT die ursprüngliche Quelle kennen, warum unser System heute noch so reagiert. Es genügt wahrzunehmen, DASS es reagiert und im HIER und JETZT die Führung zu übernehmen.
Wenn unser Nervensystem reagiert, gibt es einen verletzten jüngeren Anteil in uns. Diesen können wir willkommen heissen und so wie er ist annehmen. „Da gibt es etwas in mir, das verletzt wurde und das reagiert.“ Punkt.
Beobachte und erforsche:
💫Wann reagiert Dein Nervensystem?
Anzeichen sind z.B. Körperreaktionen wie flache Atmung, flaues Gefühl im Magen, weiche Knie, Anspannung der Muskulatur oder auch ausweichende Handlungen wie der Griff zum Handy etc.
💫 Was sind regelmässige Trigger?
💫Was ist Deine hauptsächliche Überlebensstrategie?
Übererregung, Untererregung oder eine Mischform?
💫Wo nimmst Du dadurch Deinen rechtmässigen Platz nicht ein?
Das kann in gewissen Themen sein, gewissen Lebensbereichen, in Gegenwart gewisser Menschen oder generell im Leben.
Wichtig: Du bist richtig und Du hast nichts falsch gemacht. Es ist eine automatische Körperreaktion, die durch Dein aktiviertes Nervensystem abläuft. Und Du kannst jetzt neue Reaktionsmuster lernen.
3 einfache Methoden, Dein Nervensystem zu regulieren
Atmung:
Nimm bewusst ein paar tiefe Atemzüge. Fokussiere Dich auf die Ausatmung und atme deutlich länger aus als ein. Du kannst auch durch den Mund ausatmen oder die Stimme mitnehmen – das verstärkt die beruhigende Wirkung.
Berührung:
Streiche mit Deinen Händen von den Schultern aus über Deine Arme bis hin zu Deinen Händen. Mach es intuitiv so lange, wie es sich gut anfühlt. Leg zum Abschluss eine Hand auf Dein Brustbein.
Pause:
Unterbrich das Gespräch und geh physisch aus der Begegnung. Benenne klar, dass Du eine Pause brauchst und das Gespräch später weiterführen möchtest. Beweg Dich, geh an die frische Luft, schüttle Dich. Ihr könnt im Vorfeld auch ein «Codewort» für diese Unterbrechung vereinbaren, so dass nichts weiter mehr erklärt werden muss und alle Beteiligten wissen, dass es anschliessen wieder weiter geht.
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Deinen Platz einnehmen
Du kannst Dein Nervensystem nicht nur regulieren, sondern auch trainieren wie einen Muskel. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern es braucht Übung. Und es ist nochmals ein weiterer Schritt, auch energetisch den Platz wirklich einzunehmen und dort zu bleiben.
Durch das wiederholte Üben im sicheren Raum kannst Du einen gesunde Ablauf in deinem Körper und Deinem Energiesystem verankern.
Je tiefer dieser neue, gesunde Automatismus verankert ist, desto einfacher wird es Dir auch in herausfordernden Situationen fallen, das alte Muster erfolgreich zu durchbrechen.
Probiere den nachfolgenden Meditationsablauf aus. Am besten machst Du es für mindestens 5 Tage regelmässig z.B. vor dem Schlafen gehen. Starte im grünen Bereich. Reguliere wenn nötig zuerst Dein Nervensystem (z.B. durch Schütteln, bewusstes Aus-Atmen, den Körper abklopfen etc.). Stell sicher, dass Du während der Zeit ungestört bleibst und Dich vollkommen entspannen kannst.
Trainingsanleitung
Spür Deinen Körper, die Sitzunterlage und wie Du jetzt gerade physisch Deinen Platz einnimmst. Komm ganz hier an. Nimm Dir Zeit, um ganz in Deinem Körper zu landen.
Streife mit beiden Händen über Deine Schultern hinunter bis zu den Händen und sprich laut: «Ich bin sicher. Ich bin willkommen. Ich bin richtig.» Falls Dein Nervensystem auf diese Sätze reagiert: atme tief durch die Nase ein und mit einem längeren Atemzug durch den Mund wieder aus (3 Mal oder mehr). Wiederhole Punkte 4 & 5, bis Dein Nervensystem ruhig bleibt.
Du bist sicher. Du bist willkommen. Du bist richtig. Entspanne Dich in dieses Gefühl hinein und komm ganz hier an auf Deinem Platz.
Fällt Dir das schon einfach? Dann gehe weiter: Spür Dein Gesäss und wie sich Dein Körper immer mehr entspannt.
Lege Deine Hände auf Deinen Unterbauch und atme ganz entspannt weiter. Vielleicht nimmst Du eine Veränderung wahr, spürst Deine Beckenkraft, die Energie in Deinem Unterbauch / Schossraum / Hara / Dan Tian. Sprich: «Ich bin sicher. Ich bin verbunden. Ich bin genährt.» Verweile hier.
Lege dann Deine Hände auf Dein Herz und atme 3x tief durch die Nase ein, durch den Mund aus. Spür ganz entspannt in Deinem Herzraum hinein. Du füllst gerade den Raum um Dich und Deinen Platz herum mit Deiner Energie, ohne dass Du etwas dafür TUN musst. Verweile.
Lege zum Abschluss eine Hand auf Deinen Unterbauch, die andere Hand auf Dein Herz. Spür, wie sich das anfühlt und geniesse.
Sprich «Ich bin verbunden und ich bin sicher. Warum fällt mir es immer leichter, den Platz in meinem Leben zu bewohnen und meinen ganz Raum auszufüllen?*»
(*Die Frage ist eine öffnende Frage für Dein Unterbewusstsein. Du brauchst nicht darüber nachzudenken oder Antworten zu suchen.)
Fazit
Nimm bewusst Deinen Platz ein!
Bewohne Dein Leben. Stell Dich immer wieder bewusst gewissen Herausforderungen und trainiere Dein Nervensystem. So geschieht erfüllender Wachstum.
Damit dies immer besser gelingt, konditioniere auch Dein Energiesystem. Nimm im Verlauf des Tages immer wieder bewusst DEINEN PLATZ ein, wenn Du gerade ganz entspannt (!) sitzt oder stehst. Spür, wie Du physisch wirklich GANZ DA bist. Du erinnerst so Dein Energiesystem ganz natürlich daran, deinen Raum vorbehaltslos mit Deiner Präsenz und Energie zu füllen.
Und dann geh gWUNDERig* durch Dein Leben.
*unser schweizerdeutsche Ausdruck für „neugierig“